Unsere Chronik

Die hier in Auszügen dargestellte Chronik stammt aus der Feder von Jürgen-Detlef Reise anlässlich unseres 100jährigen Jubiläums im Jahre 2005.

Große Brände in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts - und hier besonders der furchtbare Brand von Hamburg vom 5.-8. Mai 1842 - forderten nun aber endlich eine Neuorganisation der Brandbekämpfung. Aus dieser Zeit stammen die ersten Gründungen von typischen Feuerwehren, wie wir sie noch heute als verbesserte Organisationen kennen.
Nicht nur die Brandbekämpfung wurde damals neu organisiert, sondern auch die Art und Weise des Alarms und der Benachrichtigung der Nachbarwehren. Dieses geschah durch das Läuten der Kirchenglocken, auch Nebelhörner, Alarmschüsse und auch durch die sagenumwobenen Feuerreiter.
Die ersten Spritzen kamen auf. Sie wurden von Pferden bzw. von Männern zum Brandherd gezogen. Es waren keine Saug-Druckspritzen wie heute, sondern reine Druckspritzen. Der Druck wurde durch menschliche Armkraft erzeugt, und das Wasser wurde mit Eimern in den Pumpenkessel hineingegossen.
Auch hier in Großenbrode war bis zum Gründungsjahr unserer Freiwilligen Feuerwehr eine solche Druckspritze vorhanden. Sie stand im sogenannten "Spritzenhaus" am Dorfteich. Die Brandbekämpfung und ihre Organisation erfolgte bei uns vor 1905 durch eine Zwangsfeuerwehr. Eine Feuerwehr im heutigen Sinn gab es nicht. Jeder wehrfähige Mann zwischen 16 und 60 Jahren war verpflichtet bei einem Schadensfeuer zu helfen, in Großenbrode weitestgehend organisiert durch unsere alte Brandgilde. Brandmeister war in der Regel der Ortsvorsteher (heute Bürgermeister). Bei einem Brand lief die Brandbekämpfung hier in Großenbrode nach einem ausgefeiltem Plan ab:
Alarmiert und benachrichtigt wurde die Bevölkerung, wie oben schon erwähnt, durch Glockenläuten, Feuerhörner und Alarmschüsse, Nachbarorte durch die sogenannten Feuerreiter.
Die Bedienung der vorhandenen Spritze erfolgte durch 16 Männer und dem Spritzenführer. Jeweils 8 Männer pumpten - 4 auf jeder Seite. Die übrigen 8 Männer standen zur Ablösung, auf ein entsprechendes Kommando des Spritzenführers wartend, hinter ihnen. Das Wasser wurde nicht etwa mittels Saugschläuchen aus dem Teich bzw. dem Hydranten gefördert, sondern eine lange Kette aus Männern und Frauen bildeten eine Eimerkette vom Dorfteich zur Spritze am Brandherd.
Zitat aus Schillers Glocke: "Durch der Hände lange Kette fliegt der Eimer..."

Die Spritze wurde von Hand mit Eimern befüllt, und die Spritzenmänner pumpten aus Leibeskräften. Außerdem standen zwei große Holzfässer auf schlittenähnlichen Schleifen, die jeweils mit 2 Pferden bespannt waren. Diese Fässer wurden in den Dorfteich geschleift, per Hand mit Wasser befüllt, zur Spritze gejagt, wo der Inhalt in diese umgefüllt wurde. Außerdem mußten von den Bauern im Wechsel drei sogenannte Mannschaftswagen - es waren eisenbereifte Kastenwagen - gestellt werden, zum Transport der Männer bei auswärtigen Einsätzen.
18 Pferde wurden bei solchen Einsätzen benötigt und alle verfügbaren Hände. Alles war gut organisiert, so meinte man lange Zeit. Bei Feueralarm wußte jeder, was er zu tun hatte - es war ein Irrglaube, wie sich später herausstellte.

Der letzte Großbrand, den die Großenbroder Zwangsfeuerwehr zu bekämpfen hatte, brach am 24. Juni 1904 aus. Heinrich Reise war damals Hauptmann der Wehr. 8 Gebäude im Norden unseres Dorfes brannten bis auf die Grundmauern nieder. Ein starker Westwind begünstigte den Funkenflug von einem Gebäude zum anderen. Nur ein Haus wurde nicht vom Feuer erfaßt. Es war über und über mit Efeu bewachsen und der Efeu hielt die Funken ab. Aber das übernächste Haus wurde wieder ein Raub der Flammen. Das Feuer entstand 1904 wahrscheinlich durch Brandstiftung eines Gelegenheitsarbeiters, der sein Haus überhöht versichert hatte. Nach diesem furchtbaren Brand war das Maß für die Verantwortlichen endgültig voll.